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Das 8. HOLZBAUFORUM am 23. Mai 2008 in der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (FH) in Leipzig, veranstaltet von der HUSS-MEDIEN GmbH, war auch in diesem Jahr wieder mit rund 100 Teilnehmern der wichtige Jahrestreff für Zimmerer, Architekten, Ingenieure, und Sachverständige: Mit dabei: die Restauratoren im Zimmererhandwerk. Durch die Vorträge führte Prof. Dr.-Ing. Peer Haller aus Dresden.
Dr.-Ing. Andreas Bruschke aus Dresden stellte die heute gegebenen Möglichkeiten der Vermessung und Dokumentation von Holzbauwerken vor – Handaufmaß, Tachymetrie, Photogrammetrie und Laserscanning – und zeigte die jeweiligen Vorteile der Verfahren, aber auch ihre Einsatzgrenzen auf. Die Wahl des Verfahrens und damit die Wirtschaftlichkeit bestimmen die konkreten Objektbedingungen und die technologischen Rahmenbedingungen, nicht jedoch die teilweise sehr hohen Investitionskosten. Eine hohe Geräteauslastung, die bei spezialisierten Fachfirmen gewährleistet ist, sorgt für geringe anteilige Gerätekosten. Entscheidend für den wirtschaftlichen Einsatz ist die hohe Messgeschwindigkeit. Dr. Bruschke berichtete über den Einsatz dieser Verfahren anhand einiger Fallbeispiele: Saline in Hallein (verformungsgerechtes Aufmaß einer freitragenden Dachkonstruktion), Marienkirche in Clausthal-Zellerfeld (größte Holzkirche Deutschlands, deren historischer Turm abgetragen wurde), Stadtpfarrkirche in Steyr (Gewölbe und Dachstuhl einschließlich Risskartierung) und der Hof Larciunei in Wolkenstein (Dokumentation eines spätgotisches Bauwerks vor dem Abriss).
Prof. Dr.-Ing. Peter Häupl von der TU Dresden trug seine Erfahrungen bei der energetischen Sanierung von Holzkonstruktionen und denkmalgeschützten Gebäuden mit kapillaraktiver Innendämmung vor. Auf der Basis der Modellierung der Wärme-, Luft-, Feuchte-, Schadstoff und Salztransportprozesse in kapillaraktiven Materialien und der Entwicklung einer hochwertigen Software, unterstützt durch eine messtechnische Überprüfung an Testhäusern, lässt sich das feuchte- und wärmetechnische Verhalten von Umfassungskonstruktionen sicher voraussagen. Für die nachträgliche Innendämmung eignet sich ein diffusionsoffenes kapillaraktives Material, z.B. Calciumsilikat. Die Dämmschicht muss vollflächig an die Altkonstruktion angekoppelt werden, um das Absaugen des an der kalten Seite der Dämmschicht entstehenden Kondensates zur warmen Raumseite hin zu gewährleisten. Angestrebt werden sollte eine Halbierung des bisherigen Wärmedurchgangswertes (30 bis 50 mm Dämmstoffdicke), also keine Superdämmung. Die raumseitige Oberflächentemperatur der Außenbauteile liegt dann entsprechend hoch, die Gefahr einer Tauwasser- und Schimmelbildung an der Bauteiloberfläche und im Gebäudewinkel ist gebannt.
Architekt Dipl.-Ing. Eberhard Lange aus Potsdam berichtete über die Sanierung eines Holzhauses der klassischen Moderne – des Sommerhauses von Albert Einstein in Caputh bei Potsdam. Das 1929 von Konrad Wachsmann errichtete Gebäude wurde in den Jahren von 2001 bis 2005 umfassend instandgesetzt und restauriert. Von Schwamm befallene Fußschwellen des Hauses wurden im Sonderverfahren nach DIN 68800 zusätzlich mit einer Wärmestrahlung behandelt. Die immer wieder undicht gewordenen Terrassen erhielten eine Abdichtung mit einem Kunststoff-Dichtungssystem. Der historische Wandaufbau mit seiner aus heutiger Sicht völlig unzureichenden Wärmedämmung lässt auch die zukünftige Nutzung des Hauses nur als Sommerhaus zu, eine Ausnahme bildet der große Wohnraum, durch das Einbringen von Zellulosedämmstoff in die Gefache ist hier eine Beheizung für eine kurzzeitige Nutzung möglich. Eine besonders schwierige Aufgabe bestand in der vollständigen Entfernung der Altfarben an den Holzfassaden, die Abbeizarbeiten wurden durch eine in der Denkmalpflege erfahrene Malerfirma durchgeführt. Die Holzfassaden erhielten einen Schutzanstrich mit einer leicht rötlich pigmentierten Öl-/Wachslasur.
Dr. Christoph Henrichsen aus Andernach entführte die Zuhörer in einen ganz anderen Kulturkreis und schilderte die Restaurierung von buddhistischen Tempeln in Japan. In kaum einem Land kommt dem Holzbau eine so zentrale Rolle zu wie in Japan. Historische Holzbauten datieren bis ins 7. Jahrhundert und sind in der Regel eingeschossig, zum Schutz vor Bodenfeuchtigkeit haben sie einen hochliegenden Fußboden. Mit Ausnahme weniger Blockspeicher handelt es sich um Skelettbauten, das tragende Gerüst aus Stützen und Riegeln kommt ohne Diagonalverstrebungen aus und ist daher relativ weich. Wie Japan im Holzbau Spitzenleistungen hervorgebracht hat, so verdienen auch die Reparaturen unsere Aufmerksamkeit wegen ihrer Vielfalt, Originalität und präzisen Ausführung. Ein Beispiel: Fehlstellen im Material oder Astlöcher werden durch Passungen geschlossen. Die Passung wird auf die Fehlstelle gelegt, der Umriss auf dem Holz angerissen und vorsichtig nachgestochen (ausgespänt). Vor dem Einbau wird die Passung gestaucht. Passungen bleiben sichtbar und sind kunstvoll gestaltet. In Japan sind Verbindungen im Holzbau hoch entwickelt, diese werden oft bewusst nicht geleimt, um spätere Reparaturen zu erleichtern. Für westliche Beobachter ungewöhnlich ist, dass Verformungen des tragenden Gerüstes mit großem Aufwand berichtigt werden. Dieses wird durch die leichte Formbarkeit des relativ weichen Gerüstes erleichtert, zudem fallen Verformungen in den hochpräzisen Bauwerken mit rechtwinklig gesetzten Stützen und vielen Schiebeelementen sehr viel deutlicher auf und rufen schnell ein ästhetisches Unbehagen hervor.
Tischlermeister Sebastian Schulz aus Chemnitz war mit der Rekonstruktion des hölzernen Innenausbaus der Frauenkirche in Dresden beauftrag. Grundlage für diesen Auftrag waren umfangreiche Vorarbeiten, dazu gehörten Untersuchungen zum ursprünglich verwendeten Holz. Die zunächst ausgeschriebenen Hölzer – Fichte, Kiefer und Douglasfichte – waren für den originalgetreuen Innenausbau nicht geeignet. Die maßgeblichen Eigenschaften, dass sich das Holz gut biegen lässt und zudem schall- und schwingungshemmende Eigenschaften besitzt, konnten nur durch das Holz der Weißtanne erfüllt werden. Die ursprünglichen Bezugsorte in Böhmen stehen nicht mehr zur Verfügung, geeignete Holzbestände konnte Schulz jedoch im Schwarzwald ausfindig machen. Zu den Vorarbeiten gehörten außerdem Untersuchungen von Fotovergrößerungen historischer Aufnahmen der Inneneinrichtung der Frauenkirche, die zahlreiche Abweichungen zu den überlieferten Zeichnungen aufwiesen. Auf der Grundlage dieser Voruntersuchungen entstand zunächst eine Probeachse. Der Auftrag wurde in den Jahren 2002 bis 2005 ausgeführt, in Hochdruckzeiten waren bis zu 16 Mitarbeiter in der Frauenkirche bei der Montage.
Dr. Günter Wiedemann aus Dresden berichtete über die Möglichkeiten des Laserstrahlreinigens von Holzoberflächen am Beispiel der mittelalterlichen Blockbohlenstube des Tetzelhauses in Pirna. Das Freilegungs- und Reinigungsergebnis wurde hier von allen Beteiligten als sehr positiv bewertet. Durch Vorversuche und Grundlagenuntersuchungen waren die Voraussetzungen geschaffen worden für das schädigungsfreie und zugleich gefahrlose Laserstrahlreinigen der Wandbohlen. Mit den Untersuchungen wurde ein Beitrag geleistet zur Akzeptanz des Laserstrahlreinigens nicht nur für Stein, sondern auch für Holz. Für die Laserstrahlreinigung der Wandbohlen konnte nachgewiesen werden, dass der Abtrag der Beschichtungen selektiv erfolgt und dass alle Bedingungen eines selbstbegrenzenden Abtragprozesses erfüllt sind. Das Laserstrahlreinigen ist in der Zwischenzeit für eine Reihe weiterer hochkarätiger Objekte genutzt worden (z.B. Grünes Gewölbe in Dresden). Das Verfahren eignet sich auch zur Dekontamination von verschmutzten, biozidbelasteten Holzobjekten und stellt somit eine Ergänzung zum Vakuumwaschverfahren und zur Anwendung des Löseverfahrens in überkritischem CO2 dar.
Prof. Dr.-Ing. Peer Haller stellte Untersuchungen an Altholz aus Umgebindehäusern des Lausitzer Berglandes vor. Grundlegendes Anliegen war die Bestimmung der Eigenschaften von Altholz. Dazu wurden Dachbalken visuell beurteilt sowie auf Biegung und Druck geprüft. Die im Versuch gemessenen Tragfähigkeiten liegen deutlich über den zulässigen Spannungen nach DIN 1052:1988-04. Während die Biegefestigkeiten und Rohdichten etwa denen von neuem Fichtenholz entsprechen, liegt der Durchschnittswert der Druckfestigkeit etwas unter den Normwerten. Die Elastizitätsmoduln der Altholzbalken lagen dagegen deutlich unter den Normwerten. Ein unmittelbarer Einfluss von Ästigkeiten, Schwindrissen oder Baumkanten auf die Biegetragfähigkeit konnte nicht abgeleitet werden. Auffällig war, dass die alten Zimmerer auch sehr astreiches Holz und Baumkanten mit verbauten. Im Hinblick auf heutige Sortierklassen würden 40 % der Balken nach DIN 4074 nur Klasse 7 bzw. keiner Sortierklasse zugeordnet werden können. Da auch für diese Balken hohe Festigkeiten gemessen wurden, liegt der Schluss Nahe, dass durch visuelle Sortiermethoden nicht nur minderwertiges Holz eliminiert wird.
Dr. Mario Blei aus Jena befasste sich mit der Desinfektion und Geruchsneutralisation in Holzfussböden durch chemisch-physikalische Verfahren. Die Maßnahmen einer Sanierung von Schimmelpilzen beinhalten die Desinfektion dieser und das Inaktivieren der Stoffwechselprodukte (Mykotxine) durch chemische oder physikalische Verfahren sowie die anschließende mechanische Reinigung der befallenen Oberflächen. Darüber hinaus gibt es komplementäre Reinigungsverfahren. Eine Ozonisierung von Mikrobiologie und chemischen Verbindungen im Rahmen einer Sanierung hängt von mehreren Parametern ab. Hierbei spielen die Stoffe auf und in den Materialien bzw. der Luft, die Temperatur, die Durchmischung und weitere Einflüsse eine Rolle. Unter idealen Bedingungen entstehen bei einer Ozonisierung lediglich Wasser und Kohlendioxyd. Praktisch können aber zahlreiche stofflich nur bedingt bekannte Umwandlungsprodukte mit wiederum toxischen Eigenschaften entstehen. Vergleicht man die Ergebnisse der durchgeführten unterschiedlichen Ozonisierungs- und Ionisierungsversuche, stellt man fest, dass – im Gegensatz zur thermischen Verneblung von sauerstoffaktiven Substanzen – die Reduktion der Kolonie bildenden Einheiten auf Oberflächen fast ausschließlich durch die Ozonkonzentration bestimmt wird. Die getesteten Verfahren werden nach Optimierung der eingesetzten Prototypen eine Ergänzung oder Alternative zu bisher eingesetzten Verfahren in der Desinfektion und Geruchsneutralisation von Holzoberflächen darstellen.
Die Vorträge des 8. HOLZBAUFORUMs wurden auch in diesem Jahr durch eine Fachausstellung ergänzt. Aussteller waren in diesem Jahr die Firmen Dietrichs´ AG, Neubiberg; Egger Holzwerkstoffe GmbH & Co. KG, Wismar; Holzlabor – LavTox, Lauenburg; IRG Ing.-Büro Gerike, Berlin; SFS Intec GmbH, Oberursel; Finnforest Merk, Aichach/Finnforest Deutschland, Bremen; Adolf Würth GmbH & Co. KG, Künzelsau; Tischlerei Sebastian Schulz, Chemnitz; die Kongressmesse HOBA 08 des Deutscher Holz- und Bautenschutzverband DHBV, veranstaltet von der GDA, Gesellschaft für Marketing und Service der Deutschen Arbeitgeber mbH, Berlin; der Holzabsatzfonds, Bonn, und der huss-shop, Berlin.
Der Termin für das nächste HOLZBAUFORUM ist der 15. Mai 2009.
Dipl.-Ing. Wolfhard Spies
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Wolfgang Rug/Willi Mönck Holzbau - Bemessung und Konstruktion 15. vollst. überarb. 2008, 544 S., 70 Abb., Hardcover, 79,90 €
Das bewährte Standardwerk enthält die u. a. Grundlagen und Regeln der neuen Holzbaunorm DIN 1052. ... mehr
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